Musical Das hässliche Gesicht
Hattingen, 02.10.2011, Lene Lemmer
In der Gebläsehalle wurde das Musical „Nikolaus Groß“ aufgeführt - erstmals in Hattingen.
Hattingen. Unheimlich, düster, schaurig , hart – aber ehrlich. Und doch nicht annähernd so schlimm wie die Wirklichkeit, damals im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Das Musical „Nikolaus Groß“ der Gemeinde St. Barbara aus Mülheim beschreibt den dramatischen Lebensweg eines Mannes, der beide Kriege miterleben musste. In Niederwenigern 1898 geboren, wurde er zum Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. In der Gebläsehalle präsentierten die 150 Ehrenamtlichen der Gemeinde das Musical zum ersten Mal in Hattingen.
„Vati, wohin gehst du?“, schallt eine verzweifelte Kinderstimme gleich zu Beginn des Stücks durch den Saal. Schauermusik, melancholische Melodien, schattenhafte Gestalten treten auf die Bühne. Furchtbar, ein Hecheln dröhnt. Das Publikum hält den Atem an, als schwarze Wesen unheimlich vor ihnen im rot gefluteten Licht zu tanzen beginnen. Sie ähneln Vampiren, haben Totenkopfmasken auf und sind doch letztendlich Menschen. Immer wieder zwischen den Szenen tauchen sie auf, verkörpern Böses, Hass.
Alte Videoaufnahmen laufen auf der Leinwand im Hintergrund: Soldaten marschieren, Panzer fahren, ein Kanonenschuss, die Trompete bläst den Marsch.
Angenehmer zu sehen ist da der Sologesang, der Nikolaus Groß als Bergmann beschreibt. Es berührt, wie dankbar er über seine harte Arbeit im Stollen ist. „Tief in der Erde, schwarz das Gesicht, Schweiß am Körper, dunkel das Licht“, singt er allein. Da ziehen Männer von hinten mit brennenden Laternen in den Saal hinein. Mehr, immer mehr, stellen sich nebeneinander. Die Bergmänner halten zusammen, stimmen das Steiger-Lied an. Nikolaus Groß erhält seinen Gesellenbrief. Und wird Gewerkschafter.
Es gibt auch ein paar fröhliche Szenen. Den Silvesterabend 1920 zum Beispiel, als er mit seiner späteren Frau Elisabeth tanzt und lacht. Doch Not, Hunger, Arbeitslosigkeit beherrschen das Leben. Dann kommt Hitler. Düstere Wesen zerreißen die Artikel der Westdeutschen Arbeiterzeitung, für die Nikolaus Groß als Journalist kritisch über die Ansichten der Nazis schreibt. „Der Jude wird für alles Unangenehme und Schändliche verantwortlich gemacht“, ertönt seine Stimme zwischen aufsteigendem Rauch. Wieder das furchtbare Hecheln. Das christliche Kreuz wird zerbrochen, die Nazis ziehen mit ihrem Hakenkreuz ein. Hitlers hässliches Gesicht groß auf der Leinwand.
Mit dem Baby auf dem Arm singt Elisabeth Groß: „Als Gottes Kinder sind wir alle gleich.“ Doch die Hitlerjugend sieht das anders. Mädchen und Jungen singen einen Rap, treten auf der Stelle. Immer mehr spitzt es sich zu. Die Westdeutsche Arbeiterzeitung wird verboten. Was bleibt: die Familie – solange man sie eben hat. Nikolaus Groß dankt seinem großen Glück als Familienvater: „Ja, wer ist so reich wie ich? Mit keinem tausche ich meinen Platz, sieben Kinder sind mein Schatz.“
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